USA werfen Baerbock Kompetenzüberschreitung vor

US-Botschafterin Jennifer Locetta kritisierte Baerbocks Vorgehen ungewöhnlich deutlich. Sie bezeichnete es als „Kompetenzüberschreitung“ und „unverantwortlich“.
Dabei machte sie zugleich klar, dass der Sicherheitsrat aus ihrer Sicht bei seiner Entscheidung nicht an Baerbocks Vorgaben gebunden sein könne.
Der Rat müsse auch Bewerber in Betracht ziehen dürfen, „die nie an einem Dialog der Generalversammlung teilgenommen haben“, erklärte Locetta.
Besonders persönlich fiel eine weitere Äußerung der US-Botschafterin aus. Baerbock sehe sich als „diplomatischen Superstar“, sagte sie.
Darüber hinaus warf sie der Präsidentin der Generalversammlung indirekt vor, dem Sicherheitsrat zu unterstellen, nicht ordnungsgemäß zu arbeiten.
Ihre Kritik fasste Locetta schließlich mit deutlichen Worten zusammen:
„Das Vorgehen der Präsidentin offenbart eine Heuchelei und wirft insgesamt ein schlechtes Licht auf die Arbeit der Generalversammlung“, sagte die US-Botschafterin.
Damit hat sich der Konflikt zwischen Baerbocks Büro und wichtigen Mitgliedern des Sicherheitsrats deutlich zugespitzt.
Doch um welchen Kandidaten geht es überhaupt?
Acht Kandidaten stehen zur Auswahl
Für die Nachfolge von António Guterres sind derzeit acht Personen nominiert.
Zu den Bewerbern gehört die costa-ricanische Diplomatin Rebeca Grynspan. Sie soll nach Angaben aus Diplomatenkreisen aus einer ersten Probeabstimmung als Favoritin hervorgegangen sein.
Ebenfalls im Rennen ist Rafael Grossi, der argentinische Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA.
Aus Afrika kommen mehrere Kandidaten. Dazu zählen Senegals ehemaliger Präsident Macky Sall sowie Carolyn Rodrigues Birkett, die UN-Botschafterin Guyanas in New York.
Auch María Fernanda Espinosa aus Ecuador bewirbt sich um den höchsten Posten der Vereinten Nationen. Sie war bereits Präsidentin der UN-Generalversammlung.
Hinzu kommen Chiles ehemalige Präsidentin Michelle Bachelet, der ugandische Politiker und Diplomat Olara Otunnu sowie die ecuadorianische Diplomatin Ivonne A-Baki.
Wer letztlich die Nachfolge von Guterres antreten wird, ist damit noch völlig offen.
Die nächste Probeabstimmung könnte jedoch einen weiteren Hinweis darauf geben, welcher Bewerber im Rennen die besten Chancen besitzt.
Baerbocks Amtszeit endet bald

Während der Kampf um die Nachfolge von António Guterres in die entscheidende Phase geht, neigt sich auch Baerbocks Zeit an der Spitze der UN-Generalversammlung dem Ende entgegen.
Die Grünen-Politikerin bekleidet das einjährige Amt noch bis Anfang September.
Bis dahin dürfte die Frage nach ihrer Rolle im Auswahlprozess weiterhin für Diskussionen sorgen. Während Baerbock auf einen „transparenten, inklusiven, strukturierten, rechtzeitigen und glaubwürdigen“ Prozess drängt, pochen die USA und Russland darauf, dass die eigentliche Entscheidung beim Sicherheitsrat liegt.
Für die Nachfolge von Guterres wird deshalb insbesondere die geheime Abstimmung der 15 Mitglieder mit Spannung erwartet.
Mindestens neun Stimmen sind für eine Empfehlung erforderlich. Gleichzeitig können die fünf ständigen Mitglieder jeden Kandidaten mit ihrem Veto stoppen.
Damit dürfte der Auswahlprozess in den kommenden Wochen noch für erheblichen diplomatischen Streit sorgen.
Fest steht: Wer António Guterres ab dem kommenden Jahr als UN-Generalsekretär ablöst, wird nicht nur von der Unterstützung der Generalversammlung abhängen. Entscheidend wird sein, welcher Kandidat im mächtigen Sicherheitsrat genügend Rückhalt findet.