Wer gewinnt, wer leer ausgeht

Echte Gewinner sind Vollzeitkräfte im unteren und mittleren Lohnsegment, die regelmäßig Mehrarbeit leisten, aber selten Boni erhalten. Teilzeitbeschäftigte, Mini- und Midi-Jobber gehen dagegen meist leer aus, weil sie die Stundenschwelle gar nicht erreichen. Bei sehr hohen Einkommen verpufft der Effekt ebenfalls, weil Progressionsvorbehalt und Sozialbeiträge den Vorteil schrumpfen lassen.
Besonders umstritten ist, dass Schicht- und Nachtzuschläge ausdrücklich nicht einbezogen werden. Gewerkschaften kritisieren, hier würden Berufsgruppen benachteiligt, die ohnehin unter belastenden Arbeitszeiten leiden.
Die Arbeitgeberlobby schlägt Alarm – und das hat Folgen.
Was Unternehmen jetzt fürchten

Für Personalabteilungen bedeutet die Neuerung komplexere Lohnläufe: Zuschlagsteile sind künftig in steuerfreie und steuerpflichtige Komponenten zu splitten, was neue Software-Module und doppelte Prüfschritte erfordert. Erste Dienstleister melden schon Wartelisten für Updates, weil über 300 000 Unternehmen betroffen sind.
Verbände warnen zudem vor rechtlichen Fallstricken: Wird eine Überstunde falsch klassifiziert, drohen Nachzahlungen und Säumniszuschläge. Das Finanzministerium verweist zwar auf eine zwölfmonatige Schonfrist, doch in Hotlines häufen sich Anfragen zur „praktischen Umsetzbarkeit“.
Am Ende zählt jedoch die Frage: Wann landet das Plus wirklich auf dem Konto?
Zeitplan und nächste Schritte

Laut Entwurf soll das Gesetz am 1. Juli 2026 in Kraft treten; die Entlastung würde damit erstmals auf den Lohnabrechnungen Ende Juli erscheinen. Bundesrat und Bundestag beraten voraussichtlich noch im Mai in Sondersitzungen, damit Unternehmen genügend Vorlauf haben. Scheitert die Reform, tritt automatisch eine „Sunset-Clause“ in Kraft – die Änderungen verfallen.
Doch Regierung und Opposition signalisierten heute überraschend Einigungsbereitschaft: Eine auf zwei Jahre befristete Pilotphase mit Evaluationsbericht bis Herbst 2028 gilt plötzlich als wahrscheinlich. Damit steigt die Chance, dass Millionen Beschäftigte schon in wenigen Monaten mehr Netto sehen – sofern die Gesetzesformulierung jetzt nicht in letzter Minute gekippt wird.
Damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende …
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