Vincents Hände ballten sich zu Fäusten.
Das Imperium, das er aufgebaut, das Erbe, das er beschützt hatte, wurde von seinen eigenen Verwandten zerrissen.
Doch der größte Schrecken war die Erkenntnis, wie lange all dies geplant gewesen war.
Wie viele Gespräche hatte Marcus belauscht?
Wie viele Familienessen waren Spionagemissionen gewesen?
Elena drückte ihre Lippen an sein Ohr.
„Es gibt noch etwas, das du wissen musst“, flüsterte sie mit schwerer Stimme, die Vincents Brust zuschnürte.
„Es geht nicht nur um Geld oder Territorium.“
Teil 2
Vincent antwortete nicht.
Er starrte Elena nur an.
In dreißig Jahren war es niemandem gelungen, ihn zweimal in derselben Nacht zu überraschen.
Und doch hatte es die stille Magd, die seine Hemden faltete und ihm seinen Morgen-Espresso servierte, bereits geschafft.
Zweimal.
„Was meinst du?“, fragte er sich.
Elena nahm endlich ihre Hand von seinem Mund.
Ihre Stimme war so leise, dass man sie kaum hörte.
„Sie sind nicht hier, um dein Imperium zu stehlen.“
Sie schluckte schwer.
„Sie sind hier, um deine Blutlinie auszulöschen.“
Draußen vor dem Schrank blieb Marcus stehen.
„Die Tochter“, sagte er.
Diese Worte lähmten Vincent.
„Hat sie jemand gefunden?“, fragte Marcus.
Einer der Männer antwortete.
„Nein.“
Marcus fluchte.
„Wir dürfen keine Spuren hinterlassen.“
Vincent spürte, wie etwas in ihm zerbrach.
Seine Tochter.
Sofia.
Der einzige Mensch, den er mehr als Macht geliebt hatte.
Sie hatte das Familienunternehmen vor Jahren verlassen, nachdem sie ihn angefleht hatte, der Gewalt abzuschwören.
Als er sich weigerte, verschwand sie mit einer neuen Identität in einen anderen Bundesstaat.
Nur drei Menschen wussten, wo sie lebte.
Vincent.
Marcus.
Und sein persönlicher Anwalt.
Marcus wusste es.
Natürlich wusste er es.
Vincent selbst hatte es ihm anvertraut.
Elena sah, wie sich Verständnis auf Vincents Gesicht ausbreitete.
„Ich habe sie gestern gehört“, flüsterte sie.
„Sie haben bereits Leute angeheuert, um sie zu finden.“
Vincents Atmung beruhigte sich.
Jeder, der ihn kannte, erwartete Wut.
Schüsse.
Sofortige Rache.
Stattdessen …
Sein Gesicht wurde seltsam ruhig.
Denn der ruhige Vincent Torino war die gefährlichste Version seiner selbst.
Draußen vibrierte Marcus’ Handy.
„Ja?“ Er lauschte ein paar Sekunden.
Dann lächelte er.
„Perfekt.“
Er drehte sich zur Schlafzimmertür um.
„Ich habe es erwartet.“
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