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Sie war 1,2 m groß, er wog 227 kg: Ihre 12 missgebildeten Kinder schockierten die Wissenschaft (1897).

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Neben den offensichtlicheren Faktoren spielten drei rezessive genetische Faktoren eine Rolle. Das Zusammenwirken dieser verborgenen Faktoren bei der Fortpflanzung führte zu verheerenden Folgen. Diese Theorie ähnelte bemerkenswert der Mandelschen Genetik, obwohl Barker Mendelejews Arbeit noch nicht kannte, die in amerikanischen Ärztekreisen unbekannt war.

Im Wesentlichen entdeckten sie die Prinzipien der Vererbung neu, indem sie deren extremste Ausprägungen direkt beobachteten. Das Team dokumentierte spezifische Muster. Mehrere Kinder wiesen Skelettfehlbildungen ähnlicher Art, aber unterschiedlichen Schweregrades auf, was auf eine gemeinsame zugrunde liegende genetische Anomalie hindeutet, die sich unterschiedlich manifestiert. Die Organverlagerung trat bei drei verschiedenen Kindern auf und betraf stets dieselben Organsysteme, jedoch in einer einzigartigen Konfiguration.

Am besorgniserregendsten war die kognitive Untersuchung. Während einige Kinder trotz ihrer körperlichen Einschränkungen normale oder nahezu normale geistige Fähigkeiten zeigten, wiesen andere deutliche Entwicklungsverzögerungen auf, die laut Fenton auf mit bloßem Auge nicht sichtbare Hirnanomalien hindeuteten. Barkers Korrespondenz mit der Johns Hopkins University in dieser Zeit belegt seine wachsende Überzeugung, dass diese Familie eine einzigartige wissenschaftliche Chance darstellte.

Dr. Barker drängte die Universität, eine Langzeitstudie zu finanzieren und schlug regelmäßige Untersuchungen vor, um den Gesundheitszustand der Kinder zu überwachen und festzustellen, ob Behandlungen ihr Leiden lindern könnten. Sie sprach auch eine heikle Frage an: Sollte Sarah und Benjamin von weiteren Schwangerschaften abgeraten werden? Und hatten Ärzte die Befugnis, solche Empfehlungen auszusprechen? Die darauffolgende ethische Debatte innerhalb des Johns-Hopkins-Teams verlief hitzig.

Fenton argumentierte, die Verhinderung weiterer Geburten sei angesichts des Leidens jedes einzelnen Kindes eine moralische Pflicht. Der Fotograf, ein gläubiger Mann, beharrte darauf, dass nur Gott über solche Entscheidungen Autorität habe. Dr. Barker war hin- und hergerissen zwischen wissenschaftlicher Faszination und menschlichem Mitgefühl, denn er wusste, dass jedes neue Kind nicht nur zusätzliche Daten lieferte, sondern gleichzeitig ein weiteres Leben bedeutete, das zu qualvollem körperlichem Leiden verurteilt war.

Vor seiner Abreise aus Kentucky traf Dr. Barker Benjamin und Sarah und erläuterte ihnen die Testergebnisse mit größtem Einfühlungsvermögen. Die Erkrankung ihrer Kinder war auf eine unglückliche Kombination genetischer Faktoren bei beiden Elternteilen zurückzuführen. Jede Schwangerschaft war gewissermaßen ein genetisches Lotteriespiel mit extrem geringer Erfolgswahrscheinlichkeit.

Benjamin stellte eine Frage, die ihn schon seit Jahren quälte: Besteht irgendeine Chance, dass das ungeborene Kind gesund sein würde? Barkers Antwort, die er in seinen Aufzeichnungen festhielt, war entwaffnend ehrlich. Angesichts des Musters der neun Geburten lag die statistische Wahrscheinlichkeit praktisch bei null. Jedes gezeugte Kind hätte mit ziemlicher Sicherheit ähnliche oder sogar noch schwerwiegendere Fehlbildungen gehabt.

Sarah schwieg. Sie weinte nicht und protestierte nicht. Sie nickte nur, als hätte Barker bestätigt, was sie schon lange vermutet, aber nie zugeben wollte. Drei Monate später erfuhr sie, dass sie mit ihrem zehnten Kind schwanger war. Dieses zehnte Kind wurde im Februar 1898 geboren: ein Mädchen, dessen Zustand ein neues, medizinisch unmögliches Ausmaß erreicht hatte.

Marthas Geburtsurkunde beschreibt eine komplizierte Geburt, da sie die ersten zwölf Minuten ihres Lebens nicht selbstständig atmen konnte. Als sie schließlich zu atmen begann, war ihre Atmung flach und unregelmäßig. Sie kam mit einer Gaumenspalte zur Welt, die sich durch das Weichgewebe bis in die Nasenhöhle erstreckte, doch eine Untersuchung ergab eine weitaus schwerwiegendere Erkrankung.

Ihr Brustkorb war unvollständig entwickelt, Teile ihrer Lunge waren unter der durchscheinenden Haut sichtbar. Garrett, der Martha bei der Geburt geholfen hatte, informierte umgehend Barker. Zwei Wochen später traf ein Arzt der Johns Hopkins University ein, diesmal in Begleitung eines Lungenfacharztes. Die Untersuchung bestätigte, dass das Überleben des Babys einem Wunder glich.

Das freiliegende Lungengewebe hätte eigentlich sofort zu einer Infektion und zum Tod führen müssen. Doch wie durch ein Wunder klammerte sich das Baby ans Leben, rang nach Luft und kämpfte, aber es lebte noch. Fotografien, die Barker während dieses Besuchs aufnahm und die im medizinischen Archiv aufbewahrt werden, zeigen ein Neugeborenes, dessen Körper kaum lebensfähig schien und nur durch unerklärliche biologische Prozesse am Leben erhalten wurde.

Tod und tragische Ereignisse
Sarah wurde erneut schwanger, bevor ihr zehntes Kind sechs Monate alt war. Die Nachricht erreichte Garrett durch Martha, deren Frustration in Verzweiflung umschlug. Ein Eintrag im Tagebuch der Hebamme vom Juli 1898 belegt dies.

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