Ich bin jetzt über 60. Und manchmal frage ich mich, ob ich mit einem ganz einfachen Wunsch inzwischen alleine dastehe: Ich möchte meinen Alltag erledigen können, ohne für jede Kleinigkeit erst mein Smartphone hervorzuholen, eine App herunterzuladen oder irgendwo ein neues Benutzerkonto anzulegen.
Es geht dabei nicht darum, Technik grundsätzlich abzulehnen. Digitale Angebote können vieles erleichtern und für viele Menschen praktisch sein. Aber muss wirklich jeder ganz normale Vorgang automatisch an eine App, einen Account oder einen Bildschirm gebunden sein?
Ich möchte nicht erst eine App herunterladen müssen, nur um zu parken. Ich möchte nicht mein Smartphone herausholen, eine Anwendung suchen, installieren, öffnen und mich durch verschiedene Schritte arbeiten, wenn ich eigentlich nur mein Auto abstellen möchte. Für mich ist Parken ein alltäglicher Vorgang und keine digitale Aufgabe, auf die ich mich vorbereiten möchte.
Dasselbe gilt für das Abholen eines Pakets. Wenn ein Paket auf mich wartet, möchte ich es abholen können, ohne vorher überlegen zu müssen, welche Anwendung ich benötige, ob sie bereits installiert ist und ob ich mich noch irgendwo anmelden muss. Was früher ein einfacher Ablauf war, fühlt sich plötzlich wie eine kleine technische Aufgabe an.
Warum muss für alles ein Account erstellt werden?
Besonders merkwürdig finde ich Situationen, in denen man für etwas völlig Alltägliches zunächst ein Benutzerkonto erstellen soll. Ich möchte zum Beispiel nicht erst einen Account anlegen müssen, nur um eine Speisekarte zu sehen.
Wenn ich irgendwo etwas essen möchte, erscheint mir der Wunsch ziemlich selbstverständlich: Ich möchte sehen, welche Speisen angeboten werden. Dafür möchte ich nicht zuerst persönliche Angaben eingeben, mir ein Passwort überlegen oder mich daran erinnern müssen, ob ich bei diesem Angebot vielleicht schon irgendwann einmal registriert war.
Eine Speisekarte war für mich immer etwas, das man in die Hand nimmt und liest. Heute kann schon dieser einfache Vorgang bedeuten, dass man sein Smartphone benötigt. Je nachdem, wie das jeweilige Angebot gestaltet ist, beginnt dann eine Reihe kleiner Schritte: Gerät herausholen, Bildschirm entsperren, die digitale Seite öffnen und sich darin zurechtfinden.
Für Menschen, die damit vertraut sind, mag das kaum erwähnenswert sein. Für andere ist es jedoch eine zusätzliche Hürde bei etwas, das eigentlich unkompliziert sein könnte.
Ich möchte einkaufen und nicht selbst kassieren
Auch beim Einkaufen hat sich vieles verändert. Ich möchte mich nicht selbst an einer SB-Kasse abkassieren. Wenn ich einkaufen gehe, möchte ich meine Waren auswählen und anschließend ganz normal bezahlen. Ich möchte nicht gleichzeitig die Rolle des Kunden und die Aufgabe des Kassierens übernehmen.
An einer klassischen Kasse ist der Ablauf klar. Die Einkäufe werden erfasst, man bezahlt und kann anschließend gehen. An einer Selbstbedienungskasse muss man dagegen selbst darauf achten, dass jeder Artikel richtig erfasst wird und der gesamte Vorgang funktioniert.
Natürlich gibt es Menschen, die diese Möglichkeit gerne nutzen. Manche empfinden sie als angenehm oder praktisch. Mein Punkt ist ein anderer: Ich möchte weiterhin die Wahl haben.
Es sollte möglich sein, eine moderne technische Möglichkeit anzubieten, ohne die klassische Variante so weit zurückzudrängen, dass Menschen sich beinahe rechtfertigen müssen, wenn sie sie bevorzugen.
Nicht noch eine Treuepunkte-App
Beim Einkaufen begegnet einem außerdem immer häufiger die nächste digitale Einladung: Punkte sammeln, Vorteile nutzen, Angebote aktivieren oder Rabatte erhalten. Und dafür soll dann häufig wieder eine Anwendung auf das Smartphone.
Ich möchte aber nicht die zehnte Treuepunkte-App installieren.
Ich möchte nicht vor jedem Einkauf überlegen, welche Anwendung zu welchem Geschäft gehört. Ich möchte keine lange Sammlung verschiedener Programme auf meinem Telefon haben, nur weil ich gelegentlich in unterschiedlichen Geschäften einkaufe.
Aus einer einzelnen App wird schnell eine ganze Reihe. Eine fürs Parken, eine fürs Paket, eine fürs Einkaufen und möglicherweise weitere Anwendungen für andere Alltagssituationen. Jede einzelne mag für sich genommen überschaubar erscheinen. Zusammengenommen entsteht jedoch genau das Gefühl, das mich stört: Selbst einfache Dinge funktionieren immer häufiger nur noch über eine digitale Zwischenstation.
Die vielen kleinen digitalen Schritte
Was mich dabei beschäftigt, ist weniger ein einzelner Vorgang als die Summe dieser Veränderungen. Für sich genommen klingt jeder Schritt klein. Eine App installieren dauert vielleicht nicht besonders lange. Einen Account anzulegen ist grundsätzlich machbar. Eine digitale Speisekarte zu öffnen kann schnell funktionieren.
Doch wenn diese kleinen Anforderungen in immer mehr Bereichen auftauchen, verändert sich der Alltag. Das Smartphone ist dann nicht mehr nur ein freiwilliges Hilfsmittel. Es wird zunehmend zum Schlüssel für Dinge, die früher ohne technische Vorbereitung zugänglich waren.
Und genau da stellt sich für mich die Frage: Muss das wirklich sein?
Muss ich für eine alltägliche Handlung immer häufiger ein geladenes Smartphone dabeihaben? Muss ich mich mit einer Anwendung beschäftigen, obwohl ich das betreffende Angebot vielleicht nur einmal nutzen möchte? Muss ein einfacher Vorgang komplizierter werden, nur weil eine digitale Lösung vorhanden ist?
Ich möchte weiterhin entscheiden können, wann mir Technik hilft und wann ich sie nicht brauche.
Es geht nicht darum, in der Vergangenheit zu leben
Der Wunsch nach analogen Möglichkeiten bedeutet nicht automatisch, dass jemand grundsätzlich gegen Fortschritt oder moderne Technik ist. Man kann ein Smartphone besitzen, digitale Dienste nutzen und trotzdem nicht jeden Bereich des eigenen Lebens darüber organisieren wollen.
Es gibt einen Unterschied zwischen einer zusätzlichen digitalen Möglichkeit und einer digitalen Voraussetzung.
Wenn eine App eine freiwillige Alternative ist, kann jeder selbst entscheiden, ob sie zum eigenen Alltag passt. Problematisch fühlt es sich für mich erst dann an, wenn die einfache, direkte Möglichkeit verschwindet und man praktisch zur digitalen Variante gedrängt wird.
Ich möchte nicht darum bitten müssen, etwas ohne App erledigen zu dürfen. Für mich sollte genau das weiterhin selbstverständlich möglich sein.
Es geht um Auswahl. Wer gerne eine App verwendet, soll sie verwenden können. Wer lieber direkt mit einem Menschen spricht, an einer normalen Kasse bezahlt oder eine Speisekarte ohne Registrierung ansehen möchte, sollte diese Möglichkeit ebenfalls behalten.
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